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Memoires of America

Daniel Schnyder

26. Juli 2024

Konzertbeginn 20:00 Uhr


Daniel Schnyder, der in der Schweiz geboren wurde und heute in New York lebt, arbeitet gleichermaßen als Jazz-Saxophonist wie als E-Musik-Komponist. Neben Jazz-Elementen enthalten seine Stücke auch arabische und asiatische Klänge, Pop und Filmmusik, dazu klassischen Kontrapunktik, romantische und avantgardistische Impulse. Man könnte ihn einen Grenzgänger, einen Crossover-Musiker nennen, wenn er nicht die Existenz von Grenzen zwischen europäischer und amerikanischer, zwischen E- und U-Musik rundweg abstreiten würde. Schnyder sieht sich dabei in einer guten Tradition: Er nennt Ravel und Strawinsky mit ihrer Affinität zum Jazz, vor allem aber sind ihm George Gershwin und Kurt Weill wichtig.

Über seine Komposition „Mémoires“ schreibt Schnyder selbst: Sie besteht aus zwei Teilen, einer Hommage an Ellington mit dem Titel „Mémoires“ und der Paraphrase einer Ellington-Ballade, die sich unmittelbar daran anschließt. „Mémoires“ verbindet die Welt des „American Songbook“ mit unserer europäischen Tradition, der erweiterten Tonalität und der Kunst des spätromantischen Kontrapunkts. Am Anfang überlagert sich polymetrisch ein 4/4- mit einem 3/4-Takt. Diese Textur löst sich mit dem Einsatz des Saxophons in eine scheinbar einfachere, harmonischere Welt auf. Die Form ist aber auch nach der komplexen Einleitung facettenreich, da die Phrasen nicht die üblichen vier oder acht Takte bilden, sondern fünf, sieben etc. Auch die Tonart (c-moll) wird immer wieder durch eine dorische Einfärbung modal gebrochen. Langsam fließen nun Elemente der Gospelmusik und des Blues ein. Das Tenorsaxophon, das Jazzinstrument schlechthin, verkörpert im Verlauf des Stückes mehr und mehr die individuelle Farbe der Neuen Welt gegen das Allgemeine der klassischen Ästhetik, reflektiert im Orchester. Das fantastische Instrument faucht, röchelt, grunzt und jauchzt. Es zeigt das Einzelschicksal des Menschen wider den universalen, orchestralen Schöpfungsklang. Die Rhythmik verlagert sich auch zusehends auf die andere Welthälfte: Die Schwerpunkte liegen nicht mehr auf dem ersten und dritten Schlag, sondern, wie in aller transatlantischen Musik, auf dem zweiten und vierten.Es schließt sich attacca eine Paraphrase auf Duke Ellingtons Klassiker „In a sentimental mood“ an, eine der bekanntesten und schönsten Jazzballaden. Anders als bei traditionellen Orchester-Arrangements von Jazzballaden kommt keine „rhythm section“ zum Einsatz. Das Fortschreiten in der Musik wird allein durch die innere Rhythmik, die Polyphonie der Stimmen definiert. Natürlich darf das Moment Improvisation bei dieser Reflexion auf Ellington nicht fehlen. Etwa 40 Prozent der Musik sind spontan improvisiert.

Besetzung


Veranstaltungsort

Ballsaal ATLANTIC Grand Hotel Travemünde

Der Ballsaal im ATLANTIC Grand Hotel Travemünde bietet eine einzigartige Umgebung für besondere A...